Junge Ideen für die Zukunft Europas

"Das größte Problem, vor dem die EU heute steht, ist der wachsende Nationalismus. Er macht solidarische Lösungen unmöglich und lähmt die Handlungsfähigkeit der EU“ so Ministerpräsidentin Malu Dreyer beim 18. Planspiel "Modell Europa Parlament" im Bundesrat.

 

Damit war auch das Hauptthema des diesjährigen MEP benannt. Denn während die echten Staats- und Regierungschefs Ende der Woche in Rom zusammenkommen, um 60 Jahre EU zu feiern, ging es im Bundesrat im Kern um die Zukunft der europäischen Einigung und um alles, was damit zusammenhängt: Brexit, Nationalismus, Eurokrise und die Radikalisierung Jugendlicher. Alle Redner und Gesprächspartner, egal ob Berlins Europa-Staatssekretär Gerry Woop oder die Vertreterin der Rheinland-Pfälzer Landesregierung Monika Fuhr: alle sprachen sich für ein demokratisches Europa aus, das von der heutigen Jugend mitgestaltet werden müsse. 

 

Der Verein "Modell Europa Parlament Deutschland" bietet jungen Menschen im Planspiel die Möglichkeit, für eine Woche in die Rolle von EU-Abgeordneten zu schlüpfen und so Europa hautnah zu erleben und mitzugestalten. Vom 19. bis 24. März 2017 hatte der Verein Schulgruppen aus jedem Bundesland sowie Gastdelegationen aus Belgien, Luxemburg und Ungarn nach Berlin eingeladen, um über aktuelle Themen der Europäischen Union zu diskutieren.

 

Aber das MEP ist weit mehr als ein Simulationsspiel. Denn was hier von den 160 jungen potentiellen Politikern vollbracht wird, ist gelebtes Europa – die Verwirklichung des europäischen Traums, wie Präsidentin Leonie es in ihrer Eröffnungsrede formulierte. "Die Teilnahme von Schülerinnen und Schülern aus drei anderen EU-Ländern zeigt, dass in Europa schon zahlreiche Brücken gebaut wurden“ pflichtete Regierungssprecher Streiter bei. Er ermunterte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als Vorbilder Europa nicht nur zu erleben, sondern es auch weiterzuentwickeln.

 

Die jungen Abgeordneten erarbeiten in acht Ausschüssen Resolutionen zu den Themen. Diese besprechen und verabschieden sie dann in Plenumssitzungen. Jede Delegation repräsentiert dabei einen EU-Mitgliedstaat und vertritt dessen Interessen. Die Schülerinnen und Schüler sollen die schwierige Entscheidungsfindung in einem komplexen System von nationalen und gesamteuropäischen Interessen bewusst kennenlernen.

 

Ein Höhepunkt war für alle sicherlich die Diskussion mit der Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und aktueller Bundesratspräsidentin Malu Dreyer. Auch hier drehten sich die Fragen und Kommentare der Jugendlichen um  Europa, Partizipation und ihre Zukunft. „Beteiligt Euch“ rief sie den MEP-Delegierten aus den 16 Bundesländern zu. Denn Demokratie und Europa lebe von der Beteiligung der Jugendlichen.  

 

Im Mittelpunkt des MEP standen aber die Debatten der Jugendlichen zu den acht Ausschussthemen: Dabei sahen die jungen Delegierten nicht nur so aus wie ihre Vorbilder aus dem Europaparlament, sie redeten auch so. So appellierten sie an die Verantwortung als Europäer, zitierten die größten Denker der politischen Theorie und jonglierten mit Fachbegriffen, als sei dies ihre normale Sprache.

 

Sie fordern im Rahmen der Brexit-Verhandlungen Großbritanniens Jugend weiter am Erasmus-Programmen teilhaben zu lassen, den Afrikanischen Markt vor  Dumpingimporten aus der EU zu schützen sowie mehr Mittel für den Regionalfonds um soziale Gräben zwischen den EU-Staaten zu schließen. Nach 16 Stunden Debatte waren allen Beteiligten die körperliche und geistige Erschöpfung anzusehen.   

 

Die drei jungen Präsidenten zeigen dagegen Durchhaltevermögen. Sie wissen aus Erfahrung, dass das Planspiel zur ganzheitlichen Stärkung der Persönlichkeit beiträgt. Souverän leiteten Klara Engel, Velten Schröter und Leonie Siegel die jungen Abgeordneten bis zum Ende durch die Sitzungen. Allein wäre es auch für sie ohne Pausentee kaum zu schaffen. Einig sind sie sich dabei: "Man muss noch viel mehr auf Bildung setzen, die friedlichste aller Waffen, wie Nelson Mandela sagte." Außerdem sei für sie beim MEP der Europagedanke in seiner reinsten Form zu erleben.

 

Bei all diesen ernsten Herausforderungen blieb trotzdem noch genug Zeit für Spaß. Dazu gehörte auf jeden Fall der Flashmob auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor incl. Macarena-Tanzeinlage. Aber auch die szenischen Darbietungen zu den Themen der Ausschüsse sowie die Präsentationen des zu vertretenden EU-Landes boten Gelegenheit, gemeinsam zu lachen, Kontakte zu knüpfen und von einem besseren Europa zu schwärmen.

 

Das Projekt ist Teil des sogenannten Strukturierten Dialogs der EU mit der Jugend. Darauf machte Dr. Barbara Tham von der Uni München aufmerksam, die für das EU-Programm Erasmus die Evaluation vornahm. Das bedeutet, dass die MEP-Resolution zum Thema Jugend tatsächlich den Weg nach Brüssel in den Rat der Jugendminister nehmen wird. Das MEP ist damit eine konkret Möglichkeit für die jungen Menschen mitzureden.